Italien: Espresso im Polarstern
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Die Zeit für einen Moment anhalten, Verweilen im Hier und Jetzt, den Augenblick genießen. Triest, die Hauptstadt Friaul-Julisch Venetiens, ist hierfür ein ideales Pflaster.
Seit Jahrhunderten ist Österreich für seine Kaffeehauskultur berühmt und beliebt. Es lässt sich kaum besser Zeitung lesen, diskutieren oder philosophieren als bei einem frischen Kaffee in gemütlicher Atmosphäre. Was die Wiener schätzen, bleibt den Friulanern nicht vorenthalten, denn das Herz von Triest schlägt seit mehr als einem Jahrhundert im Dreiviertel-Takt eben jener gerösteten Tradition.
Für ein Stück Zeitgeschichte steht etwa das 1914 eröffnete Café San Marco, heute eines der Lieblingscafés des berühmten italienischen Schriftstellers Claudio Magris. Das San Marco mit seinen typisch wienerischen Marmortischen, Fresken, Holztheken und Aktgemälden, diente Anti-Österreichischen Patrioten bereits während des Ersten Weltkrieges als Produktionsstätte gefälschter Pässe und verhalf so indirekt vielen zur Flucht.
Im Stadtteil Borgo Teresiano findet man ein weiteres Schmuckstück aus vergangener K&K-Zeit: das Café Stella Polare, der Polarstern, direkt neben der serbisch-orthodoxen Kirche San Spiridione gelegen. Inmitten von Stuck und Spiegeln trafen sich hier Handelsreisende und Intellektuelle, bis es Ende des Zweiten Weltkrieges zum Tanzkaffee und damit zur Begegnungsstätte für amerikanische GIs und schöne Italienerinnen wurde.
An der Piazza della Borsa lässt sich die Geschichte von Triest in den bunten Glasbildern des Tergesteo Cafés bewundern. Es befindet sich nur einige Meter entfernt vom Giuseppe Verdi Theater einem beliebten Treffpunkt von Touristen und Studenten, wo das moderne Leben der Stadt pulsiert. Literaturgrößen, wie Umberto Saba, James Joyce oder Italo Svevo, an deren bevorzugten Cafétischen man zum Teil noch sitzen kann, zeigten sich vom Duft Triester Kaffees so beeindruckt, dass Leser aus aller Welt noch heute die einzigartige Atmosphäre in deren Meisterwerken gleichsam einatmen.
Und zum krönenden Abschluss des Wandelns auf kaiserlichen Spuren gibt es kaum einen besseren Platz als das Café degli Specchi an der Piazza dell’Unita d’Italia und genießt die herrliche Aussicht - nur einen Steinwurf vom Meer entfernt mit Blick auf die Alpen Friaul-Julisch Venetiens.
Foto: Turismo FVG
(ecada/Paul Balthasar)